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Zur Geschichte der Gebrüder Ihle

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Gebrüder Ihle KG

Karosserie- und Fahrzeugbau, Bruchsal


 Wer kennt nicht die kühnen Steilwandfahrer, Sensationen auf Vergnügungsplätzen, die in atemberaubendem Tempo mit ihrem Auto senkrecht eine Wand hinauffahren.

Dem Zuschauer verschlägt es dabei für Sekunden den Atem. Erst wenn der kühne Ritter am Lenkrad wieder festen Boden unter den Füßen hat, rauscht der Beifall. Das ist dann auch der Augenblick, wo die Zuschauer bewusst einen Blick auf die schmucke Karosserie des Wagens richten. Schmuck ist sie

auch, die Karosserie der Benzin-und Elektro-Scooter, in denen alle, die Lust und Laune dazu haben, auf der Schaustellerbahn fahren können. Und einen Zipfel vom Abenteuer ergreifen jene, die sich in eine der hochgewundenen Achterbahnen setzen, die das Raketenauto besteigen, die Einschienen-Geisterbahn betreten oder sich auf "Teufelsfahrt" begeben. Auf den großen, berühmten Volksfesten - auf dem Münchner Oktoberfest, auf dem Hamburger Dom, auf dem Bremer Freimarkt und quer durch Europa bis nach Übersee findet man ein Aufgebot dieser modernsten Fahrzeuge, hinter denen unsichtbar ein Name steht: "Gebrüder Ihle KG, Bruchsal".

Das Unternehmen wird von Rudolf Ihle geleitet, dem auch der erste Kontakt mit dem Schaustellergewerbe vor rund zwanzig Jahren zu verdanken ist. Selbst begeisterter Motorrad- und Autofahrer, ein Sportsmann mit Wagemut und Phantasie, bekam Ihle sechs Jahre nach der Übernahme der Bruchsaler Firma in der Kaiserstraße die erste Begegnung mit Schaustellern. Er kannte den damals berühmten Steilwandfahrer Pitt Löffelhard und entwarf für ihn sein Sensationsauto mit schnittiger Karosserie und einem für dessen besondere Zwecke abgeänderten Fahrgestell. Das Modell machte Schule. Ganz von selbst kam dadurch auch die Verbindung zu anderen Schaustellerfamilien. Noch vor dem zweiten Weltkrieg baute die Firma Gebrüder Ihle auf Bestellung für Schausteller die von ihr entwickelten Benzinscooter, vierrädrige Fahrzeuge, die wie kleine Sportwagen aussehen und mit einem Benzinmotor versehen sind. Das war damals eine Neuheit für Deutschland.

Ursprung des Unternehmens Gebrüder Ihle KG war eine Fahrrad- und Motorrad-Reparaturwerkstätte in der Kaiserstraße in Bruchsal.

Dort arbeitete Rudolf Ihle, Sohn eines Lokomotivführers, nachdem er ausgelernt hatte, bei seinem früheren Lehrmeister Friedrich Ruck.

Als gelernter Kraftfahrzeugreparatur-Handwerker legte er die Prüfung als Kraftfahrzeugmeister im Jahre 1935 ab. Bereits zwei Jahre vorher war er Mitinhaber des Betriebes, den er 1931 von seinem Lehrmeister übernahm. Kurze Zeit danach kam sein Bruder Fritz mit in die neu gegründete Firma. Bald erwies sich der Raum in der Kaiserstraße jedoch als zu klein.


Der Betrieb wurde daher in die Styrumstraße verlegt und kurz darauf ein zweiter in der Talstraße erworben, wo man eine mechanische Abteilung einrichtete und Apparate aller Art, wie Vervielfältiger, Zahlkarten-Druckmaschinen u.a.m. baute. In der Styrumstraße wurden weiterhin Fahrzeuge ausgebessert. Das ging so fünf bis sechs Jahre, dann stellte man den Betrieb auf Karosseriebau um und gab die mechanische Abteilung auf. Was lag näher, als daß der begeisterte Sports- und Geschäftsmann mit Weitblick, Rudolf Ihle, den Bau von Sportkarosserien bevorzugte. Er beschränkte sich dabei zunächst auf die Fabrikate Dixi und BMW, die anfangs noch unter ihrem Firmennamen liefen, hernach jedoch als Ihle-Wagen bekanntwurden. Ihle fertigte damals schon Ganzstahl-Karosserien, die seinen Wagen die schnittige niedrige Form gaben. Später baute er auch Karosserien für DKW, Fiat, Ford und Steyr. Zu dieser Zeit befand sich die Firma bereits in der Büchenauerstraße. Wie viele Unternehmen hatte sich auch dieses im Krieg umstellen müssen. Es war in das Rüstungsprogramm eingebaut worden. Die Kriegsereignisse machten es jedoch erforderlich, einen Großteil der Teilefertigung nach Adelsheim im Odenwald zu verlegen. Dort wurde ein Zweig- bzw. Ausweichbetrieb aufgebaut, der aber dann, nachdem der Krieg zu Ende gegangen war, nur teilweise zum Anlaufen kam.

Der zweite Weltkrieg entriss der Firma den Mitinhaber und Bruder des Teilhabers, Fritz Ihle, der bei Kriegsende sein Leben lassen mußte.

Gleich nach dem Kriege waren ja naturgemäß Sportkarosserien auch nicht gefragt.

Da ging es vielmehr darum, aus der Lage der Zeit heraus, trotz der Benzinknappheit, einen fahrbaren Untersatz zu besitzen. Rudolf Ihle zeigte sich wiederum wendig genug, um sich den Gegebenheiten anzupassen. Bis zur Währungsreform wurden Holzgasgeneratoren gebaut, und Rudolf Ihle galt als "Holzgasspezialist" im ganzen Kreis Bruchsal.

Auch die Verbindung zum Schaustellergewerbe knüpfte sich wieder an.

Vor dem Kriege gebaute Scooter wurden instandgesetzt, Elektroscooter umgebaut und modernisiert, zugleich aber auch eine neue Serie Benzinscooter entwickelt.

Als die Währungsreform kam, war von der Firma auf diesem Gebiet bereits so gute Vorarbeit geleistet, daß sie nun die Serienproduktion von Scootern aufnehmen konnte.


Nun setzte auch das Auslandsgeschäft ein. Zunächst nach Holland, Dänemark, Schweiz, Schweden, Finnland und später fast nach allen westeuropäischen Ländern.

Der dann 1952 beginnende Export nach den USA und Kanada hält heute die Spitze. Bereits 1954 gewann die Firma auf der alljährlich in Chicago im Winter stattfindenden Ausstellung für Schausteller mit ihren Wagen die goldene Medaille.

Die Auszeichnung öffnete das Tor zu immer größeren Lieferungen nach den USA, darunter Ihle-Benzin- und Elektro-Scooter, aber auch der 1954 von der Firma herausgebrachte Verkehrskindergarten, eine unterhaltsame und zugleich lehrreiche Fahrbahn mit Autoverkehr, Blinklichtern und Verkehrszeichen. Es ist eine Anlage, die auch in Deutschland viele Freunde gewonnen hat. Hinzu kamen Teufelskutschen, Wilde Maus, sowie die in den USA sehr beliebten Motorboote, Cortina-und Olympia-Bobs und vieles mehr. Man kann schon sagen: Alles, was das Schaustellergewerbe an Fahrzeugen dieser Art braucht, kommt zum großen Teil aus Bruchsal von den Gebrüdern Ihle.

Aber nicht nur den Neubau übernimmt die Firma. Die Abnehmer haben stets die Garantie dafür, aus dem reichen Ersatzteillager bei notwendig werdenden Instandsetzungen - und der Betrieb auf den Vergnügungsplätzen ist recht rauh - umgehend Ersatzteile zu erhalten. Auch die Generalüberholung, wenn im Winter die Schausteller ihre Betriebe geschlossen haben, gehört mit zur Aufgabe der Bruchsaler Firma.

Wie an einem Fließband werden die einzelnen Teile in der Blechnerei, Schlosserei, mechanischen Abteilung, Lackiererei, Sattlerei - kurz in allen Arbeitsgängen - bis zum fertigen Fahrzeug hergestellt. Selbst Elektro- und

Benzinmotoren baut das Werk im eigenen Betrieb. Durch den ständig sich ausweitenden Export war der Hallenraum in der Büchenauerstraße unzureichend geworden. Im Frühjahr 1957 bezog man einen eigenen Neubau in der Industriestraße 52. Dieser Hallenbau in Stahlkonstruktion ist nach modernsten Gesichtspunkten errichtet. Rund 4000 Quadratmeter sind überbaut. Doch das Gelände ist fast zehnmal so groß, so daß ausreichende Ausweitungsmöglichkeiten bestehen. Im Jahre 1956 konnte die Firma das 25jährige Geschäftsjubiläum feiern und zugleich den Neubau bezugsfertig erstellen. 1958, als der Geschäftsführer Rudolf Ihle seinen fünfzigsten Geburtstag feierte, war der Aufstieg des Unternehmens zu einem europäischen Spitzenbetrieb auf dem Spezialgebiet längst besiegelt.

Es ist schon ein unternehmerisches Glanzstück, dass Rudolf Ihle den Aufbau dieses Werkes in einer Zeit von fünfundzwanzig Jahren vollbracht hat. Er hielt immer das Steuer auch in waghalsigen Augenblicken fest in der Hand und lenkte sicher auf jenen Zweig der Produktion hin, der nun das Schwergewicht ist:

die Fertigung von Fahrzeugen für das Schaustellergewerbe.

Wenn man bedenkt, daß allein beim Münchner Oktoberfest vierhundert Ihle-Wagen in den Vergnügungsbahnen aller Art laufen, dann beweist diese Zahl bereits die Stärke des Unternehmens mit Rudolf Ihle als Chef des Hauses und Komplementär in der Kommanditgesellschaft. Sein Kommanditist ist der heute dreizehn Jahre alte Sohn seines verstorbenen Bruders Fritz. Aus kleinen Anfängen hat sich der Betrieb unter Führung der Brüder Rudolf und Fritz Ihle hochgearbeitet. Heute ist die Firma, die hundertsiebzig Beschäftigte zählt, auf dem Gebiet der Fertigung von Spezialfahrzeugen für das Schaustellergewerbe führend im europäischen Bereich.


 


(wird fortgesetzt)


 


Wolfgang Block (2009)